Protokollempfehlungen

Alltagstaugliche Orientierung: neue Protokollempfehlungen zu Messsequenzen für die Gelenk-MRT veröffentlicht

Ende 2017 hat die AG Bildgebende Verfahren des Bewegungsapparates (BVB) Protokollempfehlungen zu Messsequenzen für die Gelenk-MRT veröffentlicht. Prof. Dr. Rolf Janka von der Universität Erlangen, stellvertretender Vorsitzender der AG, spricht im Interview über die Vorteile der MRT in der Diagnostik muskuloskelettaler Erkrankungen allgemein – und die Vorteile der Protokollempfehlungen im Speziellen.


DRG: Herr Professor Janka, zunächst ganz allgemein gefragt: Welchen Stellenwert hat die MRT in der muskuloskelettalen Radiologie?

Prof. Dr. Rolf Janka: Das klassische Röntgen ist die Basisbildgebung in der muskuloskelettalen Radiologie und erste Wahl bei der Frage nach Frakturen und Knochentumoren. Die MRT weist jedoch eine viel höhere Spezifität und Sensitivität auf und lässt insbesondere bei Verletzungen von Bandstrukturen, Knorpel- und Meniskusschäden Röntgen, CT und nuklearmedizinische Untersuchungen weit hinter sich. Dies trifft auch bei chronischen Schmerzen zu. Hier kann durch Röntgen nur selten die richtige Diagnose gestellt werden.

In welchen Fällen kommt die MRT denn besonders häufig zum Einsatz?

Hier ist z.B.  der Rückenschmerz zu nennen. Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule zeigen ganz selten die Ursache des Schmerzes. Denn sehr oft ist die Ursache entweder ein Bandscheibenvorfall oder eine entzündliche Veränderung. Ersterer lässt sich im Röntgenbild nicht ausmachen, letztere erst in späten Stadien, aber die möchten wir ja vermeiden, da eine frühe Behandlung wichtig für einen guten Therapieverlauf ist. Ein anderes konkretes Bespiel sind Knieverletzungen beim Skifahren, das ist ja gerade wieder ein aktuelles Thema. Ganz selten liegt hier eine Fraktur vor. Häufig handelt es sich hier um Meniskus- oder Bandverletzungen und diese sieht man nur in der MRT.

Welches Ziel verfolgen die Protokollempfehlungen zu Messsequenzen für die Gelenk-MRT und welche Vorteile bringen sie mit sich?

Sie sollen eine Orientierungslinie für Radiologen sein, die im muskuloskelettalen Bereich tätig sind. Ebenso können sie eine Hilfe sein, wenn man in einer Praxis oder Klinik selbst neue Protokolle aufstellen möchte. Der ideale Fall wäre natürlich, wenn wir uns alle an eine Empfehlung halten würden, denn dann würden alle unsere MRT-Aufnahmen ähnlich aussehen und wären damit sehr gut vergleichbar. Es ist ja häufig so, dass die Aufnahmen in einer Praxis gemacht werden, die Patienten aber letztendlich in einer Klinik behandelt werden. Die Aufnahmen gehen also durch viele Hände, bevor sie zum behandelnden Orthopäden oder Chirurgen gelangen. Wenn sie alle gleich oder zumindest ähnlich aussehen würden, wäre die Lesbarkeit deutlich erleichtert.

Wie sind die Protokollempfehlungen aufgebaut?

Es gibt einen allgemeinen Teil, in dem erläutert wird, welche Messsequenzen und welche Auflösung bei der Gelenk-MRT gewählt werden sollten und wann der Einsatz von Kontrastmittel sinnvoll sein kann. Ein typisches Beispiel hierfür wäre wieder der Rückenschmerz. Hier gibt es Patienten, die mehrere MRTs erhalten mit dem Ergebnis, dass man immer ein bisschen was an den Bandscheiben findet. In  Wirklichkeit aber haben sie eine entzündliche Veränderung z.B. der kleinen Wirbelgelenke oder der Verbindungen zwischen Knochen und Bandstrukturen (Enthesen), die man mit der Gabe von Kontrastmittel sehr gut erkennen könnte. Nach diesem allgemeinem Teil folgen die Empfehlungen zu den einzelnen Gelenken, gegliedert nach den Gelenken der oberen und unteren Extremität.

Welche Bedeutung hat die heterogene Geräteausstattung an den einzelnen Standorten für die angestrebte Vereinheitlichung der Protokolle?

Die in den Protokollen beschriebenen Sequenzen sind an jedem MR-Scanner, unabhängig von dem Hersteller, einstellbar. Einer Vereinheitlichung steht somit von Herstellerseite nichts im Wege.

Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Faktoren, damit die veröffentlichten Protokollempfehlungen auch praktisch zur Anwendung kommen?

Es war uns sehr wichtig bei der Erstellung der Empfehlungen, dass diese alltagstauglich sind. Drei Faktoren spielen hier eine entscheidende Rolle. Zum ersten ist vor allem die Untersuchungszeit zu beachten, denn in vielen radiologischen Praxen und Kliniken herrscht ein hoher Zeitdruck. So sind die Empfehlungen hinsichtlich der Auflösung so gestaltet, dass man gute Ergebnisse in einem angemessenen zeitlichen Rahmen erhält. Zu lange Messzeiten haben wir bewusst als negativen Faktor mit bedacht und vermieden. Zum Zweiten haben wir die Anzahl der Sequenzen so gewählt, dass diese in einem alltäglichen Setting gut durchführbar sein sollten und sich – abgesehen von sehr wenigen Einzelfällen -  auch mit dem derzeitigen Vergütungskatalog der Krankenkassen umsetzen lassen. Zum Dritten schließlich sind alle Empfehlungen auf die gängige Geräte-Ausstattung von radiologischen Praxen ausgerichtet. 3-Tesla-Geräte sind nicht erforderlich, um den Protokollempfehlungen zu folgen.

veröffentlicht am Dienstag, 6. Februar 2018